Während wir fleissig Prompten und Prozesse anpassen stellt sich auf dem Weltparkett eher die Frage: Wer hat die Macht über KI?
Erst Vollgas. Jetzt bremsen. Wer trägt eigentlich die Verantwortung für KI? Ein kurzer Rückblick – Die KI sollte schneller werden. Leistungsfähiger. Autonomer. Produktiver. Milliarden wurden und werden investiert. Unternehmen wurden aufgefordert, aufzuholen. Führungskräfte sollten ihre Teams für KI begeistern. Wer zögerte, galt schnell als rückständig.
Und jetzt wird plötzlich über die Bremse gesprochen. Ausgerechnet aus der KI-Branche selbst kommen Warnungen vor der Geschwindigkeit, die sie mit erzeugt hat. Das finde ich bemerkenswert. Nicht, weil ich gegen KI bin. Nicht, weil ich Angst habe. Nicht, weil ich es anzweifele. Nein. Ganz im Gegenteil. Ich beschäftige mich intensiv damit und sehe enorme Risiken und auch enorme Chancen. Aber, gerade weil diese Entwicklung eine Frage aufwirft, die weit über Technologie hinausgeht: Was passiert, wenn Menschen mit großer Macht erst beschleunigen – und erst später darüber nachdenken, wohin die Reise geht?
Genau hier beginnt für mich Achtsamkeit in Führung.
Und damit meine ich nicht Meditation im Büro. Ich meine die Fähigkeit, trotz Geschwindigkeit wahrzunehmen, was das eigene Handeln auslöst. Innehalten zu können, bevor aus einer Möglichkeit eine Entscheidung wird. Zu erkennen, wann Fortschritt beginnt, eine Eigendynamik zu entwickeln. Und den Mut zu haben, eine Grenze zu setzen – selbst wenn der Wettbewerb weiter aufs Gas drückt.
Je größer die Macht, desto größer die Verantwortung.
Das gilt für einen CEO genauso wie für einen Tech-Unternehmer, eine Führungskraft oder einen Vorstand.
Denn Macht ist zunächst nichts Negatives. Macht bedeutet ganz simple: Gestaltungsspielraum.
-> Ich kann entscheiden.
-> Ich kann Ressourcen verteilen.
-> Ich kann Menschen in eine Richtung bewegen.
-> Ich kann Geschwindigkeit erzeugen.
Und ich kann sie reduzieren.
Genau deshalb gehört für mich zu Macht immer auch die Fähigkeit zur Selbstbegrenzung.
Vielleicht erleben wir mit KI gerade im Zeitraffer, was auch in Unternehmen jeden Tag passiert: Oben wird eine Richtung vorgegeben. Schneller. Digitaler. Effizienter. Mehr Output. Die Organisation zieht nach. Und irgendwann stellen wir fest, dass Menschen nicht mehr hinterherkommen, Kommunikation verloren geht oder Entscheidungen getroffen werden, deren Konsequenzen vorher niemand ausreichend bedacht hat. Dann sollen plötzlich alle achtsamer werden. Aber Achtsamkeit beginnt nicht unten. Sie beginnt oben. Eine Organisation wird nicht achtsam, weil Mitarbeitende einen Resilienz-Workshop besuchen. Eine Organisation wird achtsamer, wenn diejenigen, die über Geschwindigkeit, Ziele und Ressourcen entscheiden, ihr eigenes Handeln reflektieren. Das gilt auch für KI. Wir brauchen nicht weniger Innovation. Wir brauchen bewusstere Innovation. Nicht weniger Geschwindigkeit um jeden Preis. Sondern die Fähigkeit, zu entscheiden, wann Geschwindigkeit sinnvoll ist – und wann sie gefährlich wird. Vielleicht brauchen wir deshalb neben all den neuen KI-Skills etwas, das wesentlich älter ist: HALTUNG.
Die mächtigste Führungskraft ist vielleicht nicht diejenige, die am stärksten beschleunigen kann. Sondern diejenige, die erkennt, wann sie bremsen muss. Das gilt für künstliche Intelligenz. Und möglicherweise noch viel mehr für uns Menschen. Sie zeigt Haltung. Das bedeutet: Die Fähigkeit, Verantwortung nicht an Technologie, Wettbewerb oder „den Markt“ abzugeben. Die Fähigkeit zu sagen: Ja, wir könnten. Aber sollten wir auch?
Mein Impuls -> Stellen Sie sich bei Ihrer nächsten KI-Entscheidung nicht nur die Frage: „Was gewinnen wir dadurch?“
Fragen Sie auch: „Was setzen wir damit in Bewegung?“ Und: „Sind wir bereit, dafür die Verantwortung zu übernehmen?“
Denn am Ende entscheidet nicht die KI darüber, wie wir mit KI umgehen. Noch entscheiden wir. Genau darin liegt unsere Macht. Wie achtsam gehen Sie mit Macht um und wie ist Ihre Haltung?
Bleiben Sie klar. Bleiben Sie wirksam.
Ines Felicitas Rittner
Expertin für Persönlichkeitsentwicklung
Management-Trainerin I NLP MasterCoach
zertifiziert gem. ISO DIN EN 17024
